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Fitnessambitioniert und trotzden an einem "normalen" Leben teilnehmen?

Ich habe angefangen mit dem Sport wie jeder andere auch. Ich bin einfach in´s Gym gegangen und habe mich jeden Tag halbtot trainiert und danach einfach alles gegessen was mir zwischen die Finger kam. Jeden Tag habe ich gegooglet, Videos von Ronny Coleman oder Jay Cutler geguckt und mich gefragt wie ich am besten Muskeln aufbauen kann.

Damals war ich ein 17 jähriger 63Kg schwerer Junge der einfach irgendwann mal ein bisschen breit sein wollte :D.

 

Ziemlich schnell kamen die ersten Erfolge, aber genauso schnell wie die Erfolge kamen, kam auch die Stagnation und es ging nicht weiter. Dann habe ich mich an Sachen wie dieses "ominöse und sehr brutale Kreatin und Whey" herangewagt haha. Ich glaube ich bin nicht der einzige, der nach dem ersten Scoop Kreatin dachte er wird jetzt platzen wie Arnold und gleichzeitig Angst um sein Leben hatte. Der Kreislauf ging weiter, man informierte sich immer mehr über Ernährung, Training und alles was dazu gehört. Bei mir kamen dann noch meine Diplome und das Studium dazu und auf einmal war das ganze Fachwissen da. In der Zeit wurde es bei mir immer krasser mit dem Sport, der erste Wettkampf stand auf dem Plan und spätestens ab diesem Zeitpunkt war der Sport nicht mehr nur ein Hobby sondern mein Leben.

Mit 18 Jahren habe ich mich in meinem ersten Fitnessstudio angemeldet, mit 22 hatte ich meinen ersten Wettkampf. Seit meinem ersten Tag im Studio, bis zu meinem Wettkampftag habe ich in 4 Jahren nur 2 mal Alkohol getrunken, ich war NIE Abends feiern oder sonst irgendwas, ich war immer früh im Bett, habe meine Mahlzeiten gegessen und mich voll und ganz auf meinen Sport konzentriert.

 

Hier gingen mir natürlich viele soziale Kontakte flöten, was mir persönlich in dem Moment ehrlich gesagt vollkommen egal war, weil ich einfach ein Ziel hatte und das war besser zu werden. Ein normales soziales Leben gab es für mich in diesem Sinne nicht mehr. War das richtig oder Falsch? Ich weiss es nicht. Aber es hat mich auf jedenfall auch zu dem gemacht der ich heute bin und dank dieser Einstellung sehe ich auch aus wie ich nun mal aussehe. Normale Freunde hatte ich nur noch 1 oder 2, alle anderen befanden sich in der selben Szene wie ich. Schulfreunde mit denen ich 8 Jahre lang gut befreundet war, waren mir einfach egal geworden, ich empfand diese ganze Fragerei warum ich nicht mehr mit feiern gehe und alles oder nicht einfach mal vorbeikomme schlichtweg nervend, sie verstanden es einfach nicht. Im nachhinein etwas schade aber wie schon gesagt, es hat mich zu dem gemacht der ich heute bin.

 

Meine Einstellung heute zu der ganzen Geschichte sieht so aus:  Bist du ein Fitness oder Bodybuilding ambitionierter Hobbysportler, oder willst nur einmal auf die Bühne um einfach mitgemacht zu haben, reiß nicht gleich alle Zelte ein und behalt dir soziale Kontakte, du musst kein Alkohol trinken oder schlecht essen, aber du kannst wenigstens mal mit raus gehen und einfach ein bisschen im Leben stehen. Wenn du die Ernährung und das Training trotzdem konsequent durchziehst wird dir das keinen Zacken aus der Krone brechen wenn du dich mal vergnügst, du musst einen guten Mittelweg finden und so an dein Ziel gelangen.

 

Als ambitionierter Wettkampfsportler, der nicht nur einmal auf die Bühne möchte um mitgemacht zu haben, oder in der Fitnessbranche etwas reißen will, bleibt dieser Vorgang des Kontaktabbruchs einfach nicht aus. Wie stark das ausfällt ist individuell, aber wenn man etwas reißen will, muss man das auch als Priorität setzen und die anderen Sachen einfach hinten anstellen so ist das nun mal. An dieser Stelle muss das was einen belastet einfach abgeschüttelt werden, sonst kommt man nicht dahin wo man hin möchte. Hier gibt's allerdings auch einen Mittelweg, neben den ganzen Menschen die deinen eigenen Sport nicht verstehen gibt es auch Freunde/Bekannte, die das alles verstehen und einen einfach seinen Weg gehen lassen, selbst aber nichts mit Sport zu tun haben. Diese Freunde sollte man sich behalten, egal wie tief man im Tunnel ist und ihnen trotz dem ganzen Ehrgeiz auch mal eine Minute der Aufmerksamkeit schenken.

 

Abschließend kann man sagen: Hier ist es genau so wie überall sonst im Leben, je mehr du gibst, desto mehr bekommst du am Ende raus. Nur wo man am Ende hin will sollte jeder vorher wissen, damit keine kurzsichtigen Entscheidungen getroffen werden.